Dieser Teil ist bissl lang geworden, aber ich hoffe dass einige trotzdem lust haben etwas ueber Afrika zu erfahren. Vor allem, wenn ich eh nicht so oft schreibe :-)
Teil II
Dienstag, 21. November 2006 16:00, Auf dem Weg nach Cotonou/Benin
Ich habe mir bereits in Togo schnupfen eingefangen und seitdem ist es bissl schlechter geworden. Die Strasse nach Cotonou ist einsam. Nur sporadisch sieht man diese Tankstellen am Strassenrand, wo benzin wie schnaps aus Flaschen verkauft wird. Ich frage mich was wohl bequemer ist: Zu 15-t in einer TroTro eingequetscht zu sein oder zu siebt in einer Opel Ascona Taxi zu fahren? Whatever, hier in Togo gibts eh keine alternative. Aus irgendeinem mysterioesen Grund gibts hier keine TroTro Infrastruktur. Unser Fahrer des Taxis hat gerade angehalten um die Kofferraumtuer zu sperren die ab und zu mal waehrend der Fahrt aufklappt. Am Strassenrand steht eine Frau die selbstgemachte Kokoskekse verkauft. Ohne ein Wort mit ihr Verstaendigen zu koennen, schliesst Jayme ein Deal mit ihr: Wir geben ihr unsere Packung "Cream Crackers", aus dessen wir erst nur 2-3 gegessen haben und sie gibt uns eine Packung ihrer Kokoskekse. Wenn man nicht den Wert der Kekse vergleicht, sind wir klare Gewinner des Geschaefts. Sie sind lecker!
Mittwoch, 22. November 2006, 16:47 Cotonou, Polyclinic
Die franzoesische Aerztin kommt um die Ecke gebogen und zeigt mir ein Zettel mit wirschen Zahlen und Abkuerzungen. Alles was ich versteh ist dass die Zahl 630 etwas misst was die haerte meiner Malaria ausdrueckt. Also, jetzt gibts kein Zweifel, sie haben Parasite im Blut gefunden. Ich soll hier bleiben und eine Infusion bekommen, das wuerde mich schnell wieder Fit machen. Was bleibt mir uebrig, morgen will ich ein Dorf besuchen, das auf dem Wasser gebaut ist. Laut Legende gab es ewig Krieg zwischen zwei Staemme. Da die eine aber aus religioesen Gruenden nicht auf dem Wasser Krieg fuehren durfte, hat der anderer Stamm angefangen auf dem See zu bauen. Eine riesen Stadt ist enstanden, in dem sogar Markt in Booten gehalten wird.


Donnerstag, 23. November 2006, 15:10, DanTopka Market, Cotonou/Benin
Ich bin fit wie ein Turnschuh. Ich weiss nicht, was gestern in mich eingespeist wurde, es hat aber geholfen. Das Wasserdorf war schoen, auch wenn wir von dem Bootsfahrer total verarscht wurden. Wir laufen auf dem Markt in nackter Chaos. Frauen, die an uns vorbeidraengen, Kopf beladen mit Waren aller Art, Maenner die grosse Karren mit Reissaecken hinter sich schieben und dann diese Einsverkaufer. Sie suchen ihren Weg durch die engen Gassen, pausenlos die Fahrradhupe bestaetigend, die sie neben ihnen Schieben. Wir sind auf der Suche nach Voodoo-Abteilung des Marktes. Voodoo ist Staatsreligion in Benin und wird von 70% der Bevoelkerung praktiziert. Bereits in Togo waren wir kurz auf einem markt, habens aber jedoch verlassen als man versucht hat uns einen absurden Eintrittsgeld aufzudraengen. Waehrend der 4 Minuten Verhandlung hat man aber ersten Eindruck bekommen, was man hier verkauft. Abgehackte Pferdekoepfe samt Fell, Krokodil- und Affenschaedel, tote Voegel, myesterioese Pulver und Fluessigkeiten. Nach 40 minuten Suche sitzen wir mit einem Voodoo Priester hinter seinem Verkaufsstand und hoeren interessiert zu, wie man Hundekoepfe mahlt und aus dem mehl eine Medizin zubereitet, um Schnupfen loszuwerden. Ich denke an mein Otrivin in der Hosentasche und hoffe das dieser Kerl nicht merkt dass ich Schnupfen habe.


Freitag, 24. November 2006, 13:05 Kpalime/Togo
In Afrika wird die Zeit anders gemessen..oder auch garnicht. Eine Frage nach Abfahrtszeiten z.B wuerde einen Schwarzen nur in Verstaendnislosigkeit ueber die Frage setzen. Transportmittel haben keine Abfahrtszeiten sondern fahren wenn der letzte Platz gefuellt ist. Wir warten schon seit 2 Stunden, dass unser 1000 Jahre alter umgebauter Pick-up sich fuellt, um die 30km lange Reise ueber die Grenz zurueck nach Ghana anzutreten. Natuerlich koennten wir die restlischen 2 Plaetze fuer jeweils umgerechnet 1,8 euro abkaufen um die Sache zu beschleunigen, wir entscheiden aber fuer warten und Apfelsinen essen.
Als es endlich losgeht, ist bereits nach 10 minuten Fahrt die erste Reperaturpause: Motorhaube hoch, ein bisschen hier drehen und da klopfen und es geht weiter. Obwohl nun alle plaetze ausverkauft waren steigt wenig spaeter eine "stark gebaute" Frau ein. Es ist als ob man eine Wassermelone in ein Streichholzschachtel quetschen will. An der abgelegenen Grenze oben in den Bergen freuen sich die einheimischen Weisse zu sehen. Das Grenzgebiet muss hier immer zu Fuss ueberquert werden. Eine alte Frau versperrt den Weg, indem sie uns einen Lokal-tanz der Ewes tanzt, bei dem man sich bueckt und tanzend den Hintern hoch in Richtung Himmel ausstreckt. Ein Junge schenkt uns frische Mandarinen und der Grenzbeamte spricht in einem strengen Ton zu einem Grenzueberquerer: "I said you, if you dont have passport you have to pay 5000"(umgerechnet ca 50cent).


Als wir wieder im Auto sitzen und losfahren wollen bricht Panik aus. Ich seh nur jemand mit dem Finger nach vorne zeigen und im naechsten Moment aus dem Auto springend. Da ich am weitesten Weg sitze und alle sich gegenseitig den Weg versperren habe ich noch genug Zeit abwechlsend den Rauch, die 3 Gasflaschen vor mir und die Bananen da drauf anzuglotzen. Eine Frau faellt auf die Strasse und bekommt paar Schluerfwunden. Ihr weniger als ein Jahr altes Baby wird heftig durchgeschuettelt um den Schock aus ihr zu treiben. Wieder paar Schraubenzieher und meistergriffe spaeter geht die Reise singend weiter die nach 3 Stunden in Hohoe endet.
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Samstag 25. November 2006, 13:00 Afadzato
Wir sind auf dem hoechsten Berg in Ghana. Fast 1000m hoch haben wir eine schoene Aussicht, unter anderem auf den hoechsten Punkt in Ghana. "Wie das? wird sich mancher Fragen. Das selbe habe ich auch gefragt. Unser Fuehrer erklaert aber geduldig: "Listen, this ist the highest mountain in Ghana. But this over there, this is a mountain on mountain. This is not natural.". "What you mean its not natural?. Who put it there?" fragt Jayme. "Well, god did" ist der kluge Antwort, des Schwarzen. Ich schaele die TomatoCocos, die wir auf dem Weg nach oben gepflueckt haben und esse den Schleim der um die Kerne klebt. Laut fuehrer, sollen sogar Diabetiker aus anderen Laendern kommen um diese Fruechte als Heilmittel zu kaufen. 30 Tage jeden Tag eine und die Sorgen sind geloest. Auch wenn ich kein Diabetiker bin, der Zucker tut mir gut!




Foto unten rechts: In einem Hinterhof bei irgendjemand Banku essend nachdem wir in dem Bergdorf kein Restaurant finden konnten.