Tuesday, November 28, 2006

Bego & Tonin

Samstag, 17 November 16:48, Aflao-Lome Grenze

Ich geh durch das Wirr-warr des Strassenlebens und ignoriere alle "JOVO! JOVO! Where are you going? Taxi?". Ich fuehle mich wie ein Fluechtling.. ohne Pass und Visa in einem fremden afrikanischen Land. Gerade einige Minuten zurueck hab ich das Angebot des Grenzbeamten zurueckgeschlagen 85$ fuer Visas zu bezahlen und bin auf der Suche nach einem Schwarzhaendler um Landeswaehrung CFA zu bekommen. Nach einer Stunde sind wir zurueck an der Grenze, ich bezahle umgerechnet 60$ in CFA, kriege unsere Paesse und laufe entlang der Kueste, Jeans hochgekrempelt und Schlappen in der Hand richtung Lome. Die ersten Zeichen, dass Togo mal deutsche Kolonie war lassen nicht lange auf sich warten. Ein Fischerboot in Schwarz-rot-gold, samt Staatswappen und der Aufschrift "Remember" liegt auf dem Weg.

Mittlerweile ist es dunkel und wir nehmen das erste Hotel was auf dem Weg liegt. Nach einem kurzen Mahl und geplauder mit Roger, dem Kellner in anliegendem Restaurant, setze ich muede auf mein Bett um mein kompaktradio zu tunen und die bassigen Toene des HipLife zu finden. Statt HipLife erinnere ich mich aber an gesang und Trommeln von draussen. Es ist mittlerweile wieder hell, das Radio liegt immernoch auf dem Bett, die Schuhe habe ich mir wohl im Schlaf ausgezogen. Es ist nicht mal 7 Uhr, aber wir waren wohl die letzten die aufgestanden sind. Ganz Lome ist auf den beinen und joggt den Strand entlang. Manche haben Trommeln oder andere Rhythmische Instrumente um den den Sonntags-Sport froehlicher zu machen. Ich steh mit Jayme am Strassenrand und staune wie die Massen an uns links und rechts vorbei laufen.


Sonntag, 18 November 14:45, Coco Beach/Lome

Der Strand ist zu gefaehrlich um richtig rein zu gehen. Die Wellen zu hoch, der Sog zurueck ins Meer zu heftig und obendrein sind grosse Steine versteckt im Wasser. Also begnuege ich mich mit einem Coke am Strand und Schaue wie einheimische Kinder eins nach dem anderen Saltos springen. Es ist mir sofort ins Auge gestochen, dass in Lome weit mehr Motorraeder als Autos gibt. Also lassen wir den Strand und gabeln an der Strassenseite einen Zemi-djan(Motorradtaxi) Fahrer auf und machen ein Deal mit ihm: Er schlaeft paar Stunden, wir cruisen mit seinem Motorrad rum! Es ist unglaublich, dass ich meine Pass-nummer und Adresse angeben musste um eine 5$ Strohhuette mit 2 einfachen Matratzen auf den Boden mieten zu koennen. Um einen Motorrad zu mieten muss man bloss kurz anhoeren, wie man den Alarm bedient falls man halt macht.

Das in Togo (fast nur) franzoesisch gesprochen wird, macht die Verstaendigung zu einer lustigen oder frustrierenden Angelegenheit, je nach dem wie man es sehen will. Dass ich aber den ganzen Tag mit Rasta Toni Togo, den Campingmitarbeiter, versucht habe mich zu verstaendigen und er erst jetzt spaet Abend sein deutsch auspackt ist in dieser Situation schon unheimlich komisch. Umso mehr, da er fliessend, aber mit einer Merkwuerdigen/veralteten Wortschatz und Satzbau spricht.


Dienstag, 20 Noember 13:36, Ghana Embassy/Lome

"What are you doing in Ghana? [..]You just came here because your visa is expired.." Viele strenge Fragen und absurden Anschuldigungen vom Botschafts-Chef persoenlich. Ich warte schon seit 2 Tagen auf mein Pass, da ich aufgrund von unverstandlich beknackten Visapolitik wieder ein neues Visa brauche damit ich spaeter zurueck ins Ghana kann. Bin den weg hierher schon 5 Mal gefahren und regelrechtes Schickanieren erlebt. Selbst Bestechungsgeld war schon ausgehandelt und dann spaeter wieder abgelehnt worden. Um 15 Uhr hab ich mein Pass samt Visa und esse in einer Strassenbude das beste Essen seit langem. Als Englaender die Ghanesische Kolonie verlassen haben, muessen sie wohl alle Kochbuecher mitgenommen haben. Franzosen haben jedoch ganz offensichtlich ihren Schuetzlingen gezeigt, wie man neben traditionellen Gerichten viele andere Leckerein zubereitet. Pom Frites, Spaghetti, Baquettes, Crossais, Cous cous, alles mit viel Gemuese und leckeren Sosse zubereitet. Ich beazahle das Festmahl fuer 2 Personen samt Coke mit 4$ und falle in einer Preisverhandlung mit einem Zemi-Djan Fahrer ueber den Preis nach Cotonou-Station. In wenigen Stunden soll ich in einem Staat sein, dessen offizieller Staatsreligion Voodoo ist.

Foto: Eine Durschnitts-tankstelle in Togo

..to be continued!

Lesen Sie in Teil 2 warum ich 8 Stunden in Benin in einem Krankenhaus an einem Infusiontropf lag und warum an der Ghana-Togo Grenze in einem abgelegenen Bergdorg ploetzlich Panik in unserem Pickup ausbrach und alle sich gegenseit zertrampelnd das Fahrzeug verlassen versuchten.. 

Posted by Silver at 17:21:53 | Permanent Link | Comments (0) |

Saturday, November 18, 2006

Togo

Ich wurde gefragt, wo meine regelmaessig erschienen Beitraege geblieben sind? Nun, die letzten Tagen bin ich gleich nach der Arbeit zur Universitaet gefahren um die Jungs in Music Department zu treffen und bissl Gitarre zu streicheln. Ausserdem hab ich wieder die Familie besucht und mit den Fufu gegessen und mir von Kyeremeh paar neue Woerter Twi beibringen lassen. Bin garnicht dazu gekommen ins Netz zu gehen. Eigentlich wollte ich schreiben wie Ghanesen ihre Namen bekommen, aber das muss ich leider bissl hinausschieben, denn ich sitze gerade mit Jayme in Accra im Busstation und warte auf dem Anschlussbus nach Lome(Togo). Wie es ausschaut, werd ich erst naechstes Wochenende wieder zurueckkommen. Hab nach langem Diskussion gestern nachmittag mir die naechste Woche freibekommen (sonst haett ich sie mir frei nehmen muessenSmile) um bissl zu was neues zu sehen. Haben noch kein richtigen Plan wo wir hingehen, aber das entscheidet sich am besten alles spontan. Paul fuehlte sich bissl krank aber wollte in den naechsten Tagen so schnell wie moeglich nachkommen.

Sonst ist alles paletti hier. . Bald gibts schoene Fotos von einem anderen afrikanischen Staat.

Posted by Silver at 09:36:04 | Permanent Link | Comments (0) |

Wednesday, November 08, 2006

We are going small-small..

Tja, dieses Wochenende war wieder Tro-Driving angesagt. Und wie in Ghana ueblich lief alles andere als geplant aber sehr lustig. Angefangen hats damit dass Tarek doch das Wochenende schlafen wollte und nicht mitgekommen ist. Paul sollte jeden Moment kommen ist aber garnicht aufgetaucht. Und wir restlichen 3(Ich, Jen&Jayme) haben trotz 3 weckern verpennt und sind ziemlich spaet eingeklemmt in einem Tro Tro richtung Kueste gefahren. Die fahrt nahm aber unplanmaessig ihr Ende als im Motorraum etwas krachte und das Auto stehen blieb. Als wir grad vorbeifahrende Autos versuchten uns zu schnappen hiess es aus dem Tro: "Are you not coming? We are going small small". "Small-Small" ging es gerade mal eine Minute. Danach war der Innenraum mit soviel Rauch gefuellt als ob Snoop Doggy Dog und Bob Marley sich in diesem Auto gemuetlich gemacht haetten, begleitet von droehnendem Motor der zu exlodieren drohte. Einige anhalter-autos, taxis und tro-tros spaeter waren wir dann doch am Strand. Traumhaft schoener Strand, dynamische Kokospalmen, super essen, kuschelige Zimmer und einsamkeit pur :-) Der Aufmerksame Leser moege jetzt vielleicht denken, dass dies auch im Anbetracht der Gruppenkonstellation uebergeschwappt sein koennte. Dem ist es nicht so!

Am naechsten Tag, nachdem wir uns am Morgen noch mal eben schnell den Sonnenbrand geholt hatten, sind wir dann in ein anderes Dorf gefahren weil Jayme fuer Kanadisches Fernsehen eine kleine Story drehen wollte von einem Kanadier der vor 35 Jahren nach Ghana gekommen ist, hier eine Familie und Business gegruendet hat und nun ein Koenig in einem Dorf geworden ist. Wieder paar Taxis, die angeschoben werden mussten und Tro-tros in den man in den unglaublichsten Posen sitzen musste und ploetzlich waren wir auf der Dachterasse von dem schoensten Hotel den ich jemals gesehen habe. Direkt am Strand mit herrlicher Aussicht und gemuetlichen Stuehlen die aus geflochtenen baumartigen Substanz gemacht waren. Da es zu spaet wurde waren wir ziemlich "stuck in the middle of nowhere" und haben den Abend damit beendet mit dem Sohn vom Koenig auf dem Dach zu sitzen und den Voll-Mond anzustarren. Bei meiner Lohn von unglaublichen "four-fifty"(450 000cedis= 40 Euro) pro Monat hatte ich in dem Moment auch kein schlechtes Gewissen den Montag nicht zur Arbeit gehen zu koennen.

Fotos muss ich nachliefern. Ich bereue sehr, dass ich mein Laptop nicht mitgenommen habe. Das schraenkt meine Berichterstattung auf ein niveau der zwar den Standards hier entspricht("ach-passt-schon-irgenwie-standard") mich nicht aber befriedigt. Tja, solange der immerfrohliche High-Life-Musik hier ueberall droehnt, faellt es mir schwer darueber aufzuregen Cool Keep cool!

Posted by Silver at 16:27:02 | Permanent Link | Comments (2) |

Friday, November 03, 2006

Im unbekannten Terrain..

Sooh, die letzten Tagen sind echt busy gewesen. Nach fast ein Monat absistenz ist seit einer Woche, Party angesagt. Erst mit Englaenderinnen und einem Schweden und dann mit Kanadierinnen und einem Englaender. Es ging sogar soweit, dass ich einmal garnicht mehr nach hause gekommen bin und am naechsten Tag direkt von dort aus zur Arbeit ging. Allerdings mit riesen Kater und 5 Stunden verspaetung. Dafuer hatte ich zum ersten Mal seit dem ich hier bin eine warme Dusche. Der franzoesische Botschafter muss ma richtig auf die Kacke hauen..

 

  Also, am Wochenende gings nach Mole Nationalpark. Der Abenteuer spitzte sich zu, als uns auf der Hinfahrt mitten in Nichts in der Nacht das Taxi kaputt gegangen ist. Man muss dazu sagen dass Norden sehr duenn besidelt ist und die Siedlungen klein sind. Vor allem hat man das Gefuehl dass sie so sind wie sie schon seit hunderten Jahren gewesen sind. Lehmhaeuser mit Rohdaecher, Strassen auf denen man schneller zu fuss als mit einem Auto ist, kein Strom, kein Wasser, kein Handyempfang. Wir konnten uns in dieser Situation mit nichts anderes helfen als eine flasche Wein. Als ploetzlich dunkle Gestalten uns naeherten herrschte erstma aeusserste Vorischt und ja, ein bisschen Angst. Wir waren doch soo ausgeliefert. Die ersten Gestalten konnten wenig englisch also haben sie andere geholt. Es ist einfach unglaublich wie nett diese Menschen waren. Haben uns eingeladen in ihren Haeusern zu schlafen bis Morgen wieder Licht aufgeht und wir Hilfe holen koennen. Nach einigen Stunden ist aber einem "Kuenstler" gelungen mit blossen Haenden die Karre wieder in Ordung zu bringen, so dass wir die Fahrt fortsetzen konnten. Nach insgesamt 15 Stunden waren wir dann endlich Dort. Was man dort sehen konnte, sieht ihr auf dem Fotos - Elefanten :-)  

Die Leute mit den ich dort war sind echt cool. Alle sehr interessante Menschen. Von links:

Paul - So ein netter Kerl. Hat so einen heftigen britischen Dialekt drauf dass ich ihn kaum versteh. Ist aber lustig mit ihm Bier zu trinken wo er auch mal zeigt wo er herkommt. So fing er neulich bei Chelsea-Barcelona spiel in einer Kneipe laut "Fuck off Chelsea.." zu singen selber versuchend die anderen Zuschauer zu begeistern. Das auschiesslich schwarze Publikum lies sich wenig begeistern. Die ueberwiegende Mehrheit der Ghanaer sind feurige Chelsea Unterstuetzer Tongue out

Jen(nifer) - aus Kanada. Betreut und klaert hier Prostituierten ueber Sex, AIDS & Co auf.

Derrick - Dieser kanadischer Kerl kann sehr lustig seine raue Humor rueberbringen. Er ist ausserdem 15 Stunden nach Mole gefahren um dann am naechsten morgen muerrisch zu sagen dass er zu muede fuer Safari ist und lieber im hotel schlafen bleibt. Zugegeben, wir hatten grad 3 Stunden geschlafen, irgendwie lustig wars trotzdem, dass er umsonst den langen Weg gemacht hat(davon 7 Stunden zu viert auf dem Taxiruecksitz).

Jayme - eine kanadische Fernsehjournalistin die hier Video-Beitraege ueber Human Rights-Themen macht, die dann in Nordamerika ausgestrahlt werden.

 

 

Links ist eine Schule, die es noch nicht so lange gibt. Naemlich glaubten die Moslems dort, dass wenn die Kinder zur Schule gehen wuerden, zum Christentum ueberlaufen wuerden. Nach einem "Pilotprojekt" den ein Daene endlich durchfuehren durfte, war die erleichterung gross, dass alle Moslems geblieben sind. Also gibts da jetzt eine Schule im Dorf :-)

Rechts ist die aelteste Moschee Ghanas. Gebaut in 1421 und steht immernoch. Die Bevoelkerung war uebrigens 100% Moslems dort.

 

 

Links ist der Koenig von Tamale. Leider konnte ich nicht naeher besseres Foto machen. Irgendwie zog er grad mit einem riesen Mob durch die Strassen. Rechts paar lustige Haendler. Angeblich waren sie (von rechts) 8,9,10,11 Jahre alt Laughing

 

Morgen frueh gehts mit "Mole-Allstars" zum Strand im Sueden. Also bis bald..

Posted by Silver at 17:26:15 | Permanent Link | Comments (4) |