Saturday, December 23, 2006

Finished

Die Abenteuer in Afrika sind vorbei. Gestern Mittag bin ich München gelandet. Vor wenigen Tagen stand ich noch auf einem Surfbrett, jetzt verlasse ich das Zimmer nicht ohne Mütze und dicke Jacke. Wie ich schon befürchtet habe hat mich etwas getroffen, was wohl zu erwarten war: Ich habe mich, hier angekommen, erkältet.

Ich konnte leider die letzten paar Wochen nicht mehr ins Blog einloggen, weil die Seite sich nicht öffnete. Ich werde in wenigen Tagen die besten Fotos zusammenstellen und hochladen. Habe noch viele interessante Fotos und vielleicht auch noch eine Interessante Geschichte über Könige. Solange aber paar Lustige Fotos zum schmunzeln.


 

Posted by Silver at 22:46:10 | Permanent Link | Comments (3) |

Tuesday, December 12, 2006

Music

Do you know Beatles?" -"Who?"
"Queen?" -"Which one?"
"Rolling stones?" -"Where?"

So oder so aehnlich koennte eine Konversation mit einem Ghanesen ueber Musik ablaufen. Rock musik ist tabu. Hier versteht niemand, warum sich jemand sich das antuen sollte so ein Laerm anzuhoeren. Dafuer kann aber jedes Kind und jede Oma alle Lieder von Westlife auswaendig vor- und rueckwaerts singen. Wenn sie "unsere" Musik hoeren, dann etwas was richtig "cheesy" ist. Wobei, man sie teilweise "anpasst". Ich haette nicht gedacht dass R-Kelly's "Storm is over" als Reggae-Version mindestens genauso gut sich anhoert als original. Als ich einem meiner Kollegen "Let it be" vorspielte meinte er nur: "Beatles, no I dont know them. I like Celine Dion".

Also was hoert ein Ghanese? Morgens natuerlich Gospel. Ideal wenn man grade arbeiten muss (oder bei First Choice Computers von einem weissen sich beibringen laesst wie man einen FloppyDisk benutzt). So kann man gleichzeitig beten ..oder zumindest mitsingen, was oft laut gemacht wird. Gospel ist immer froehlich und beinhaltet eine satte Portion Jesus.

Dann kommt HipLife. Das traditionelle HighLife ist viel zu langsam und altmodisch fuer die Junge generation. Also man nehme die traditionnelen Gitarren- und Rhytmuselemente, fuege einen schnellen rap-part und paar weibliche Backgroundsaenger hinzu und ueberdecke alles mit satten bass. Voila: man hat einen netten HipLife song. (Ein Beispiel mit Musikvideo a.k.a "Nachtrag zu Togo und Benin" findest du hier)

Reggae: Yesa, Rastamana in da housa! Warum sonst ist die Witwe von Bob Marley nach seinem Tot nach Ghana gezogen? Weil sie sich hier zu hause fuehlt. Bei einem Spaziergang durch die Maerkte oder Shopping Areas(kurz:die Strassen) hoert sie seine Stimme genauso viel wie sie von zu hause gewoehnt war. Es gibt eine grosse Rastafari-Kultur in Ghana. Das sind meistens Kuenstler, Holzschnitzer, Souvenierverkaufer, Marijuana-dealer oder oft auch alles in einem. Da aber lange Haare bei Maennern absolut verpoent sind(laenger als 1cm nicht zu finden!!) haben sie die Wahl: sie schneiden die Haare ab und bleiben im herzen Rasta, sie verdecken Haare mit einer Muetze oder bleiben wie sie sind. In diesem Fall jedoch muessen sie rechnen, dass sie gelegentlich Aerger mit der Polizei und Gesellschaft haben. Wer weihnachtsreggae mag: click auf das link im letzten Beitrag.

Jazz: wenns um Live-Musik geht ist es meistens Jazz. In campus spielt ne lustige Truppe von Musiklehrern jeden Freitag Abend paar Stunden fuer ca 30-40 Zuschauer..for free. Wenn ich gerade nicht verreise geh ich gerne dorthin. Wenn nicht freitag Abend dann gelegentlich nach der Arbeit um mit den zu Jammen.

und ganz wichtig: Westlife!

 

Posted by Silver at 18:29:20 | Permanent Link | Comments (0) |

Monday, December 11, 2006

X'mas

Nur noch 10 Tage und der rote Staub verwandelt in Schnee. Aus klapprigen Tro-Tros werden U-Bahnen. Aus lachenden und winkenden Kinder, barfuss am Strassenrand werden eingemummte Fremde, die anonym durch die dunkeln strassen eilen. Die aufeinander gereihten, lauten Boxen mit Bob marley eines Strassenverkaufers verstummen und es bleibt die stille Nacht. Anstatt Kokosmilch fliesst Gluehwein..

Weihnachten, ja auch hier kommt sie. Die Lichterkette in meiner Arbeit droht sich in Deckenventilator zu verfangen und die texte zu den froehlichen Gospel und Reggaerhytmen drehen sich lustigerweise um Schnee und Weihnachtsbaume. Letztere werden aus Palmenblaettern kreiert und die leute scheinen noch froehlicher als sie sind. Afrika ist lustig und froehlich. Es ist schwer emotionlos zu bleiben bei dem Anblick eines Kokosnuss-verkaufers mit roter Weihnachtsmuetze und zerfetzten Unterhemd, tanzend hinter seiner Kokosnusskarre.

Wer sich dafuer Interessiert, wie Weihnachtslieder hier klingen: Jingle Bells

Das wollte ich lange Zeit garnicht posten, aber hier ist es doch: ein richtig guter HipLife Lied(mit selbstgemachter musikvideo).

Posted by Silver at 19:15:53 | Permanent Link | Comments (1) |

Wednesday, December 06, 2006

Ghanalife: Namen

Hello Again!
Hab diesen Artikkel schon geschrieben, dann ist aber im Internetcafe Strom ausgegangen und man hat diesen lustigen Satz gehoert den man hier staendig hoert: "Is finished". Also internet war finished :-) Jetzt fang ich in einem anderen neu an:

Ich wollte schreiben, wie ein Ghanese einen Namen bekommt, denn fuer mich klingt das irgendwie interessant.

Gewoehnlichweise hat man ca. 3 Vornamen und einen Nachnamen. Der erster Name zeigt den Tag an dem man geboren ist. Ich bin daher Kwadwo(etwa wie Kuadscho ausgesprochen). Jemand der am Freitag geboren ist Kofi. Dieser Name ist gewoehnlichweise den man nutzt. Wenn nicht bei Freunden, dann zumindest auf jeden Fall in der Familie. Da die Familien aber gross sind und oft extended (d.h. viele verwandte in einer Familie) kommt es oft vor, dass man mehrere Jungs hat die am selben Tag geboren sind. Daher numeriert man sie durch. Ich bin z.B "Menu", was heisst dass ich der zweite Sohn der Familie bin. Jemand der vierter Sohn der Familie ist wuerde "Annan" heissen.

Die smarten unter euch erkennen schon: der beruehmtester Sohn der Stadt der seit 3 Monaten meine Heimat ist, Kofi Annan, heisst nichts anders als dass er am Freitag geboren ist und der vierte Sohn der Familie war.
Heutzutage waehlt man bei der Einschulung auch noch einen englischen Namen, der dazu dient den weissen das Leben eifacher zu machen ;-) So heissen die Leute dann auch noch Rexford, Prince, Andrew oder Micheal. Oft kennen die eigenen Freunde aber diese Namen nicht. Andersrum ist allerdings auch den Ghanesen einfacher deren Lokalnamen als englische zu merken. So wird mir auf der Strasse oefters Kwadwo Menu zugerufen, denn meinen richtigen Namen kennen sie nicht/koennen sich nicht merken!

Manchmal wird auch noch was hinzugefuegt, was irgendwie die Geburtsumstaende beschreibt "der schnelle", "der gluecksbringer" usw. So gab mir jemand, der von meiner Reiselust und Twi-Kenntnissen(die Lokalsprache) beigeistert war, den Zusatz "Akah" was soviel heisst wie: "derjenige der nicht zurueckkehrt". Na hoffentlich nicht :-)

Im Grunde genommen tut man aber nichts falsch wenn man

  • einen weissen Kofi oder Kwesi (den Grund ist mir bis jetzt ein Geheimnis)
  • jeden maennlichen "Brotha" und jeden weiblichen "sista"
  • jeden Taxifahrer "Hey Charlie, this is too much, lets make it half!"

nennt Tongue out

also bis dann,
Kwadwo Menu Akah :-)

p.s. wer unbedingt einen Ghanesischen Namen haben will, guckst du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Akan-Vornamen

Posted by Silver at 18:47:16 | Permanent Link | Comments (2) |

Monday, December 04, 2006

Togo and Benin Teil II

Dieser Teil ist bissl lang geworden, aber ich hoffe dass einige trotzdem lust haben etwas ueber Afrika zu erfahren. Vor allem, wenn ich eh nicht so oft schreibe :-)

Teil II

Dienstag, 21. November 2006 16:00, Auf dem Weg nach Cotonou/Benin
Ich habe mir bereits in Togo schnupfen eingefangen und seitdem ist es bissl schlechter geworden. Die Strasse nach Cotonou ist einsam. Nur sporadisch sieht man diese Tankstellen am Strassenrand, wo benzin wie schnaps aus Flaschen verkauft wird. Ich frage mich was wohl bequemer ist: Zu 15-t in einer TroTro eingequetscht zu sein oder zu siebt in einer Opel Ascona Taxi zu fahren? Whatever, hier in Togo gibts eh keine alternative. Aus irgendeinem mysterioesen Grund gibts hier keine TroTro Infrastruktur. Unser Fahrer des Taxis hat gerade angehalten um die Kofferraumtuer zu sperren die ab und zu mal waehrend der Fahrt aufklappt. Am Strassenrand steht eine Frau die selbstgemachte Kokoskekse verkauft. Ohne ein Wort mit ihr Verstaendigen zu koennen, schliesst Jayme ein Deal mit ihr: Wir geben ihr unsere Packung "Cream Crackers", aus dessen wir erst nur 2-3 gegessen haben und sie gibt uns eine Packung ihrer Kokoskekse. Wenn man nicht den Wert der Kekse vergleicht, sind wir klare Gewinner des Geschaefts. Sie sind lecker!

Mittwoch, 22. November 2006, 16:47 Cotonou, Polyclinic
Die franzoesische Aerztin kommt um die Ecke gebogen und zeigt mir ein Zettel mit wirschen Zahlen und Abkuerzungen. Alles was ich versteh ist dass die Zahl 630 etwas misst was die haerte meiner Malaria ausdrueckt. Also, jetzt gibts kein Zweifel, sie haben Parasite im Blut gefunden. Ich soll hier bleiben und eine Infusion bekommen, das wuerde mich schnell wieder Fit machen. Was bleibt mir uebrig, morgen will ich ein Dorf besuchen, das auf dem Wasser gebaut ist. Laut Legende gab es ewig Krieg zwischen zwei Staemme. Da die eine aber aus religioesen Gruenden nicht auf dem Wasser Krieg fuehren durfte, hat der anderer Stamm angefangen auf dem See zu bauen. Eine riesen Stadt ist enstanden, in dem sogar Markt in Booten gehalten wird.

Donnerstag, 23. November 2006, 15:10, DanTopka Market, Cotonou/Benin
Ich bin fit wie ein Turnschuh. Ich weiss nicht, was gestern in mich eingespeist wurde, es hat aber geholfen. Das Wasserdorf war schoen, auch wenn wir von dem Bootsfahrer total verarscht wurden. Wir laufen auf dem Markt in nackter Chaos. Frauen, die an uns vorbeidraengen, Kopf beladen mit Waren aller Art, Maenner die grosse Karren mit Reissaecken hinter sich schieben und dann diese Einsverkaufer. Sie suchen ihren Weg durch die engen Gassen, pausenlos die Fahrradhupe bestaetigend, die sie neben ihnen Schieben. Wir sind auf der Suche nach Voodoo-Abteilung des Marktes. Voodoo ist Staatsreligion in Benin und wird von 70% der Bevoelkerung praktiziert. Bereits in Togo waren wir kurz auf einem markt, habens aber jedoch verlassen als man versucht hat uns einen absurden Eintrittsgeld aufzudraengen. Waehrend der 4 Minuten Verhandlung hat man aber ersten Eindruck bekommen, was man hier verkauft. Abgehackte Pferdekoepfe samt Fell, Krokodil- und Affenschaedel, tote Voegel, myesterioese Pulver und Fluessigkeiten. Nach 40 minuten Suche sitzen wir mit einem Voodoo Priester hinter seinem Verkaufsstand und hoeren interessiert zu, wie man Hundekoepfe mahlt und aus dem mehl eine Medizin zubereitet, um Schnupfen loszuwerden. Ich denke an mein Otrivin in der Hosentasche und hoffe das dieser Kerl nicht merkt dass ich Schnupfen habe.

Freitag, 24. November 2006, 13:05 Kpalime/Togo
In Afrika wird die Zeit anders gemessen..oder auch garnicht. Eine Frage nach Abfahrtszeiten z.B wuerde einen Schwarzen nur in Verstaendnislosigkeit ueber die Frage setzen. Transportmittel haben keine Abfahrtszeiten sondern fahren wenn der letzte Platz gefuellt ist. Wir warten schon seit 2 Stunden, dass unser 1000 Jahre alter umgebauter Pick-up sich fuellt, um die 30km lange Reise ueber die Grenz zurueck nach Ghana anzutreten. Natuerlich koennten wir die restlischen 2 Plaetze fuer jeweils umgerechnet 1,8 euro abkaufen um die Sache zu beschleunigen, wir entscheiden aber fuer warten und Apfelsinen essen.
Als es endlich losgeht, ist bereits nach 10 minuten Fahrt die erste Reperaturpause: Motorhaube hoch, ein bisschen hier drehen und da klopfen und es geht weiter. Obwohl nun alle plaetze ausverkauft waren steigt wenig spaeter eine "stark gebaute" Frau ein. Es ist als ob man eine Wassermelone in ein Streichholzschachtel quetschen will. An der abgelegenen Grenze oben in den Bergen freuen sich die einheimischen Weisse zu sehen. Das Grenzgebiet muss hier immer zu Fuss ueberquert werden. Eine alte Frau versperrt den Weg, indem sie uns einen Lokal-tanz der Ewes tanzt, bei dem man sich bueckt und tanzend den Hintern hoch in Richtung Himmel ausstreckt. Ein Junge schenkt uns frische Mandarinen und der Grenzbeamte spricht in einem strengen Ton zu einem Grenzueberquerer: "I said you, if you dont have passport you have to pay 5000"(umgerechnet ca 50cent).

Als wir wieder im Auto sitzen und losfahren wollen bricht Panik aus. Ich seh nur jemand mit dem Finger nach vorne zeigen und im naechsten Moment aus dem Auto springend. Da ich am weitesten Weg sitze und alle sich gegenseitig den Weg versperren habe ich noch genug Zeit abwechlsend den Rauch, die 3 Gasflaschen vor mir und die Bananen da drauf anzuglotzen. Eine Frau faellt auf die Strasse und bekommt paar Schluerfwunden. Ihr weniger als ein Jahr altes Baby wird heftig durchgeschuettelt um den Schock aus ihr zu treiben. Wieder paar Schraubenzieher und meistergriffe spaeter geht die Reise singend weiter die nach 3 Stunden in Hohoe endet.

Klick auf singend um Audio zu hoeren

Samstag 25. November 2006, 13:00 Afadzato
Wir sind auf dem hoechsten Berg in Ghana. Fast 1000m hoch haben wir eine schoene Aussicht, unter anderem auf den hoechsten Punkt in Ghana. "Wie das? wird sich mancher Fragen. Das selbe habe ich auch gefragt. Unser Fuehrer erklaert aber geduldig: "Listen, this ist the highest mountain in Ghana. But this over there, this is a mountain on mountain. This is not natural.". "What you mean its not natural?. Who put it there?" fragt Jayme. "Well, god did" ist der kluge Antwort, des Schwarzen. Ich schaele die TomatoCocos, die wir auf dem Weg nach oben gepflueckt haben und esse den Schleim der um die Kerne klebt. Laut fuehrer, sollen sogar Diabetiker aus anderen Laendern kommen um diese Fruechte als Heilmittel zu kaufen. 30 Tage jeden Tag eine und die Sorgen sind geloest. Auch wenn ich kein Diabetiker bin, der Zucker tut mir gut!

Foto unten rechts: In einem Hinterhof bei irgendjemand Banku essend nachdem wir in dem Bergdorf kein Restaurant finden konnten.

Posted by Silver at 17:57:04 | Permanent Link | Comments (0) |